Job shadowing in der Bibliothek in Tromsø, Norwegen
Tromsø, November 2025
Manuela Kühr aus Murau berichtet von ihrem Job Shadowing in der norwegischen Stadt Tromsø.
Als ich gleich bei meiner Ankunft in Tromsø mit tanzenden Nordlichtern über der Stadt begrüßt wurde, wusste ich sofort: Dieser Aufenthalt in Norwegen würde etwas ganz Besonderes werden. Obwohl die Tage im November immer kürzer wurden, empfingen mich Stine, die leitende Bibliothekarin, und ihr Team mit einer Herzlichkeit und Offenheit, die jeden Anflug von Dunkelheit vergessen ließ.
Tromsø, oft „Tor zur Arktis“ genannt, wurde im 13. Jahrhundert erstmals schriftlich erwähnt und im 18. Jahrhundert offiziell gegründet. Durch seine Lage weit im Norden entwickelte sich die Stadt im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum für Polarexpeditionen, Fischerei und Handel. Mit der Zeit wuchs Tromsø zu einer lebendigen arktischen Metropole heran, bekannt für Forschung, Nordlichter und ihre besondere Mischung aus Natur und moderner Stadt.
Die Bibliothek in Tromsø ist die größte der Region Troms und zählt jährlich rund 500.000 Besucherinnen sowie über 600 Veranstaltungen. Dreißig Mitarbeitende kümmern sich auf fast 400 Quadratmetern um alle Altersgruppen – von den jüngsten Gästen bis zu Seniorinnen – und vermitteln Wissen, Medienkompetenz und bieten ein vielfältiges Veranstaltungsangebot.
Vier Tage lang durfte ich Dank der Erasmus Mobility Förderung zum Job Shadowing tief in die norwegische Bibliothekswelt eintauchen – von der Kinder- und Jugendabteilung über die Erwachsenenbibliothek bis hin zu spannenden Veranstaltungen. Selbst kleinere Bibliotheken am Festland standen auf unserem Programm.
Die Sozialanthropologin Heidi, die Leiterin der Abteilung „Lokalgeschichte“ hat mir mit Begeisterung die Geschichte der Region Troms näherbrachte und mir ihre vielen Projekte vorstellte. Ihr Ziel: mehr Menschen für lokale Geschichte und Kultur zu begeistern. Mein persönlicher Fokus lag auf dem Umgang mit Diversität und den unterschiedlichen Veranstaltungsformaten – und gerade in Tromsø wurde ich reichlich fündig. Über 140 Nationalitäten leben in der Stadt, und diese Vielfalt spiegelt sich nicht nur im Bestand, sondern auch im lebendigen Programmangebot wider.
Für viele Lacher sorgte unser Austausch über die unterschiedlichen Bibliothekssysteme. In Norwegen wird ausschließlich mit Zahlen sortiert, während wir in Murau auf Farben und Buchstaben setzen. Der Satz „Wie findet ihr nur eure Bücher?“ fiel daher öfter, als man meinen würde.
Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch im rechtlichen Rahmen: Jede norwegische Gemeinde ist verpflichtet, eine Bibliothek zu betreiben, die von ausgebildeten BibliothekarInnen geführt wird. Außerdem müssen alle Ausleihungen kostenlos sein – ein starkes Statement für Bildungsgerechtigkeit und Zugang zu Wissen. Gleichzeitig dienen die Bibliotheken häufig als Austragungsort für externe Vereine und Organisationen, was das kulturelle Leben bereichert.
Für mich war diese Reise in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Ich durfte nicht nur wertvolle Ideen für neue Veranstaltungsformate nach Murau mitnehmen, sondern auch persönlich unglaublich viel lernen und sogar Freundschaften schließen. Eine Erfahrung, die mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.